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Von Hamamtüchern, Olivenölseifen über handbemalte Keramikschälchen zu orientalischen Lampen – auf den Ladenregalen und Tischen bei Fanafillah findet sich alles, was die Türkei und den Orient ausmacht.

Christina Ochsner Çanak und Necati Çanak Fanafillah
Text: Sara Meier/Bilder: Marc Wetli

Das Beste aus zwei Welten

Sie ist Schweizerin, er Türke, und beide verbindet ein ausgeprägtes Feingefühl für Menschen und deren Talente. Und eine fröhliche Welt der schönen Dinge. Christina Ochsner Çanak und Necati Çanak führen seit 24 Jahren den Laden Fanafillah im Zürcher Seefeld. Hier findet der Besucher ein buntes Allerlei von Kunst­hand­werks­produkten aus Istanbul und Anatolien – und noch mehr türkisch-schweizerische Herzlichkeit.

Die Schweiz und die Türkei – zwei Staaten, zwei Welten, sollte man denken. Nicht so für das Ehepaar Ochsner Çanak. Sie sind hier und dort zu Hause, lassen beide Kulturen auf nur 50 Quadratmetern Ladenfläche verschmelzen. In diesem Mini-Universum ist der Kunde Gast und der Einkauf ein Erlebnis. Ein Glas Tee auf Wunsch und die warm­herzige Direktheit der Ladenbesitzer geben jedem das Gefühl: Ich bin hier willkommen.

Das hat gute Gründe. In der Türkei gilt nicht so sehr, was man arbeitet oder besitzt, sondern wer man ist und wie man sich fühlt. Ein Geschäft beginnt denn auch selten mit Einkaufszettel oder Traktandenliste. Hier werden zuerst Gedanken ausgetauscht, Freundschaften gepflegt, Geschichten erzählt, Tee oder Kaffee getrunken. Das Leben in der Türkei fliesst von Stunde zu Stunde, immer im Jetzt und Hier. Dabei dominiert ein Prinzip mit sicherlich osmanischem Ursprung: Gastfreundschaft.

Die Spontaneität und Dynamik der türkischen Geschäftswelt haben die Çanaks mit der Gründlichkeit, Präzision und dem Organisationstalent der Schweiz gepaart und über Jahrzehnte verfeinert. Das Resultat ist ein gern besuchter Kleinbazar, prall bestückt mit Sächelchen und Sachen aus türkisch-osmanischem Kunsthandwerk. Alle sind sie beseelt von jenen Menschen, deren Hände sie erschaffen, gehandelt und präsentiert haben.

Auf den zahllosen Regalen, Vitrinen und Tischchen findet sich alles, was die Türkei türkisch und den Orient orientalisch macht: hochwertige Wohn-, Bade- und Dekoartikel wie Lampen, Tabletttische oder Hamamtücher, dazu Accessoires für den orientalischen Tanz, Räucherwerk, Babouches, zierlicher Schmuck, blaue Amulettperlen und vieles mehr. Zwei Mal pro Jahr kaufen die Çanaks ihre Produkte direkt in den Bazaren von Istanbul und Konya ein. So erzählen alle Gegenstände eine eigene Geschichte, mal eine lange, mal eine kurze. Jede spricht über die persönlichen Erfahrungen, Beziehungen und Sympathien des Ehepaars, ebenso über die Herkunft, das Kunstgewerbe und den Alltag ihrer Macher.

Genau diese Geschichten sind für das Ehepaar Çanak massgebend. Denn sie hauchen den Dingen Leben ein – eines voller Mut, Neugierde und Tatkraft. Ein Leben, in dem das Kunsthandwerk oft alles bedeutet und allzu oft nichts einbringt oder nicht zum Leben reicht. Darum engagieren sich die Fanafillah-Inhaber mit kleinen Spenden, Spezial­aufträgen oder dem Zusammen­bringen der richtigen Berufsleute für ein bisschen mehr Perspektive.

Im Mittelpunkt des osmanischen Geschäfte­machens steht laut den Çanaks das Vertrauen in den Geschäftspartner. Gelingt es, dieses zu gewinnen, gelangt man spontan zu neuen Partnern, die wiederum jemanden kennen oder weiterempfehlen. So wächst ein dichtes Netz von Beziehungen, Angeboten und Chancen. Bietet ein ausländisches Unternehmen in der Türkei zudem faire Arbeits- und Lohnbedingungen, kann es auf eine willige Belegschaft zählen – und viel erreichen.

Wer die türkischen Herzen erobern will, tut zudem gut daran, sich wenigstens ein paar Brocken Türkisch anzueignen. Auch wenn viele Händler Englisch sprechen, ist die Freude über solches Bemühen jeweils doch gross. Nützlich ist ferner eine grosse Portion Humor. Türken lieben das Spässemachen und freuen sich über jeden, der mitlacht. Ihr Witz ist dem helvetischen sogar recht ähnlich; häufig tiefgründig, immer liebenswürdig.

Ebenfalls ganz oben auf der Liste der Tipps für erfolgreiche Geschäfte mit der Türkei stehen kulturelle Toleranz und das Interesse an seinem Gegenüber, an dessen Familie, religiösen Gepflogenheiten, Sorgen und Heraus­forderungen. Dazu braucht es Zeit, eine Menge Geduld und – im Gegenteil zur Schweiz – die Bereitschaft, nicht immer gleich zur Sache zu kommen. Dann kann man auch in der Türkei viele geschäftliche Ziele verwirklichen – und vielleicht ein paar neue Freunde gewinnen.


Finden Sie hier das Lieblingsrezept von Christina Ochsner Çanak und Necati Çanak zum Nachkochen.

Fanafillah und das Ehepaar Çanak

Der gemeinsame Lebensfaden von Christina Ochsner Çanak und Necati Çanak nahm 1988 im anatolischen Konya seinen Anfang. Necati organisierte für Schweizer Werk- und Primar­lehrerinnen Workshops bei türkischen Stepp­decken­nähern, Baumwoll­klopfern, Filzmachern, Teppich­­knüpfe­rinnen, Färbern. Christina begleitete ihre Mutter und fand Gefallen an den ungewöhn­lichen Berufen. Zurück in der Schweiz lernte sie Türkisch. Es folgten weitere Besuche und lange Gespräche in Necatis Teppich­laden Derviş Brothers. 1990 beschlossen die beiden zu heiraten. Necati war bereit, Christina nach Zürich zu folgen – unter der Bedingung, weiterhin ein Geschäft zu führen. So gründeten die Çanaks 1992 den Kleinbazar Fanafillah. Hier lassen sie den Funken ihrer beseelten Begeisterung für hoch­­wertiges türkisch-osmanisches Kunst­­hand­werk auf Macher, Kunden und Freunde über­springen.

www.fanafillah.ch