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Im Repair Center der Swisscom werden defekte Smartphones wieder auf Vordermann gebracht. © Swisscom

Urs Schaeppi Swisscom
Text: Corin Ballhaus/Bilder: Marc Wetli

#neugierig #glaubwürdig #menschenliebend

Im Netz ist es ein Geben und Nehmen

Die digitale Welt produziert Unmengen von Daten. Aber erst die detaillierte Analyse und gezielte Nutzung zugunsten einfacherer und effizienterer Produkte und Prozesse schafft einen Mehrwert. Auf solche Smart Data setzt Swisscom heute bereits in verschiedenen ihrer Wirkungsfelder. Essenziell für einen verantwor­tungs­bewussten Umgang mit den Daten und die Vertrauensbildung sind für Urs Schaeppi Transparenz und Offenheit gegenüber dem Kunden als Datenquelle.

«Wir brauchen vor allem wieder mehr Pioniergeist, Neugier und Offenheit statt Angst vor Veränderung und Verlust.»

Welche Stichworte verbinden Sie mit dem Begriff Vertrauen?

Zentrale Basis des Vertrauens sind für mich Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. Vertrauen heisst für mich auch, jemandem etwas zuzutrauen. Vertrauen ist die Basis des Geschäfts und unserer Gesellschaft überhaupt. Fehlt das Vertrauen, kollabieren Wirtschaft und Gesellschaft. Das hat sich in der Finanzkrise gezeigt.

Welchen Stellenwert hat langfristig orientierte Vertrauensbildung noch, wenn für Kunden vorwiegend der günstigste Preis zählt?

Die ständige Jagd nach dem günstigsten Produkt befürworte ich nicht, da sie eine Wegwerfgesellschaft und damit Ressourcen­verschwendung fördert. Hat etwas keinen oder einen geringen Preis, hat es keinen Wert. Glücklicherweise ist nicht der gesamte Markt preisgetrieben. Gerade in der Schweiz schätzt der Kunde Qualität und ist auch gewillt, dafür zu bezahlen.

«Aufgaben, die Intuition, Kreativität und Empathie erfordern, können Maschinen nicht übernehmen. Hier hat der Mensch ein klares Allein­stellungs­merkmal.»

Im digitalen Zeitalter hat Vertrauen viel mit dem Schutz der Privatsphäre im Netz zu tun. Was tut die Swisscom in diesem Bereich?

Zum einen unterliegen wir unter anderem dem Fernmelde­gesetz und Datenschutz, das einen klaren gesetz­lichen Rahmen für den Umgang mit den Daten gibt. Zum anderen vermitteln wir seit über 100 Jahren Telefongespräche, haben also eine lange Erfahrung im Umgang mit vertraulichen Daten. Wir verfügen zudem über eine Vielzahl an Instrumenten zur Wahrung der Vertraulichkeit und des Datenschutzes. Selbstverständlich kann sich der Kunde auch gegen die Verwendung seiner Daten aussprechen. Ist er aber in der digitalen Welt nicht gewillt, gewisse Daten zu teilen, verzichtet er auf den damit verbundenen Nutzen. Gibt er beispielsweise seinen Standort nicht preis, erhält er in der Wetter-App keinen lokalen Wetterbericht. Im Netz ist es also ein Geben und Nehmen. Für den Kunden ist es aber wichtig zu wissen, was der einzelne Anbieter mit seinen Daten tut, welche Politik dahintersteht.

Ist die Privatsphäre im Internet zukünftig auch in der Bundesverfassung zu regeln?

Das Schweizer Datenschutzgesetz ist gut. Und mit der aktuellen Revision soll es noch strenger werden. Die Herausforderung ist vielmehr, dass die Datenschutzthematik ein globales Thema ist. Die grossen Internet­firmen in den USA und in China sind global aufgestellt und betreiben ihr Geschäft nach anderen Grundsätzen. Darum wären eher Grundsätze auf globaler Ebene nötig, um gleich lange Spiesse zu schaffen.

Der alljährliche «PwC CEO Survey» hat den Umgang mit digitalen Daten als einen der differenzierenden Faktoren für die Zukunft definiert. Sehen Sie das ebenso?

Daten seien das «Rohöl» der digitalen Welt, heisst es gemeinhin. Um Daten für sich nutzen zu können, muss aber ein Unternehmen die Daten mitmilfe künstlicher Intelligenz analysieren können und sie zur Vereinfachung der Produkte einsetzen.

Wie lässt sich Smart Data ansonsten nutzen?

Über Daten lassen sich nicht nur Produkte simplifizieren, sondern auch Prozesse automatisieren, Netzoptimierungen vornehmen und neue Mehrwertdienste kreieren, die Effizienz und Qualität erhöhen. Swisscom nutzt künstliche Intelligenz zum Beispiel bei der Auswertung von Kunden­rückmeldungen nach der Einführung neuer Produkte. Oder wir entwickeln mithilfe von Smart-Data-Ampelsteuerungen, wo sich die Rot- und Grünphasen anhand der Verkehrsflüsse in Echtzeit steuern lassen.

Viele Unternehmen sind in den letzten Monaten Opfer von Cyberattacken geworden. Ist das Netz unsicher geworden?

Cyberrisiken nehmen allgemein stark zu. Das Positive an den jüngsten Angriffen ist, dass sie Unternehmen für die Risiken im Netz und  für notwendige Schutzmassnahmen sensibilisiert haben. Bei Swisscom kümmert sich ein spezialisiertes Team 24/7 darum. Schon bevor überhaupt ein Angriffsversuch erfolgt, gilt es zu eruieren, ob und wer einen solchen starten könnte. Dazu werden Frühwarnindikatoren und Anomalien bei den Datenbewegungen im Netz analysiert. Auch hier hilft künstliche Intelligenz.

Und welche Schutzmassnahmen sind notwendig?

Es braucht Abwehrsysteme. Daten­verschlüsse­lung ist dabei nur eine von vielen möglichen Massnahmen. Cybersicherheit ist inzwischen ein globales Geschäft und bedingt ein permanentes Aufrüsten. Die Angreifer werden immer intelligenter, Angriffe immer aufwendiger. Waren es früher einzelne Hacker, stehen heute hochprofessionelle Organisa­tionen dahinter. Zudem mehren sich in einer immer vernetzteren Welt die Angriffspunkte. Früher waren bloss ein PC und ein Handy am Netz. Mit dem Internet der Dinge wächst die Zahl der Endgeräte. Das soll uns aber nicht daran hindern, die neuen Technologien voranzutreiben.

Menschliches Verhalten und Einstellungen verändern sich deutlich langsamer, als der technologische Fortschritt voranschreitet. Was hat es mit dem unterschiedlichen Entwicklungstempo auf sich?

Der Mensch tendiert dazu, die Möglichkeiten der neuen Technologien zu Beginn jeweils zu überschätzen und im weiteren Verlauf zu unterschätzen. In aller Regel verändern neue Technologien zunächst einmal wenig. Setzen sie sich dann aber durch, erfolgt dies meist schneller als erwartet. Eines der vielen Beispiele dafür ist die Digitalfotografie.

Was braucht es für eine realistische Einschätzung?

Wir sollten eine Kultur entwickeln, in der wir mehr auf Experimentieren im Sinne von «Try fast, fail fast, learn fast» ausgerichtet sind. Wir müssen also auch Fehler zulassen, was unserem schweizerischen Perfektionismus etwas zuwiderläuft. Wir brauchen vor allem wieder mehr Pioniergeist, Neugier und Offenheit statt Angst vor Veränderung und Verlustangst. Will die Schweiz führend bleiben und sich ihren Wohlstand erhalten, darf sie nicht in Lethargie verfallen und eine defensive Haltung annehmen.

Gleichwohl erscheint einem die öffent­liche Debatte bezüglich der Digitalisierung eher angstgetrieben.

Die Angst ist unbegründet. Die Geschichte zeigt es: Nach jeder technologischen Revolution gab es mehr Arbeitsplätze und Wohlstand als zuvor. Die Erfindung der Dampfmaschinen oder der Elektrizität hat die Berufsprofile substanziell verändert. Das heisst aber nicht, dass es nur noch hoch­ausgebildete Personen braucht. Ich bin sogar überzeugt, dass wir ein Wiederaufleben von handwerklichen Berufen erleben werden. Denn automatisieren lassen sich nur sehr repetitive, einfache Aufgaben. Aufgaben, die Intuition, Kreativität und Empathie erfordern, können Maschinen nicht übernehmen. Hier hat der Mensch ein klares Alleinstellungs­merkmal.

Wird an Ihrer Stelle einst ein Roboter das Unternehmen leiten?

Das glaube ich nicht. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass er gewisse Aufgaben von mir übernimmt, zum Beispiel beim Studium umfangreicher, komplizierter Berichte. Die könnte mir der Roboter in Zukunft so aufbereiten, dass ich mir in viel kürzerer Zeit das nötige Bild machen kann. Bei einer Verhandlung, beim Führen eines Mitarbeiter­gesprächs oder beim Projektmeeting mit einem Kunden wird er mich aber nicht ersetzen können. Ein Roboter ist letztlich immer nur so gut, wie man ihn programmiert hat.

Kurze Fragen – kurze Antworten

Welches ist Ihre Lieblings-App?

Ich habe keine. Meine Lieblings-App ist an sich mein Smartphone. Darauf habe ich mir eine digitale Welt eingerichtet, die ich je nach Situation nutze – sei es die Navigations-App oder Swisscom TV, mein Mail-Account oder ein Mobile-Payment-System.

Können Sie sich an Ihr erstes Handy erinnern?

Das war ein Natel C von Ericsson mit einer ausklappbaren Antenne. Nach einer halben Stunde Telefonieren war die Batterie jeweils leer. Jede Minute kostete einen Franken. Darauf folgten die GSM-Handys, die viel kleiner und kostengünstiger waren, was der Mobiltelefonie zum Durchbruch verhalf.

Welches Hintergrundbild ist auf Ihrem Handy zu sehen?

Das wechselt immer wieder. Aktuell sind es sogenannte «Snow Ghost Trees». Die tief verschneiten Bäume vor stahlblauem Himmel habe ich während eines Kanadatrips aufgenommen.

Urs Schaeppi

Urs Schaeppi ist seit 2013 CEO des Konzerns Swisscom und Leiter der Swisscom (Schweiz) AG. Seine Karriere beim Schweizer Tele­kommuni­kations- und IT-Unter­nehmen begann im selben Jahr, wie dessen Börsen­gang erfolgte: 1998. Damals wechselte er von der Papierfabrik Biberist als Leiter Commercial Business zu Swisscom Mobile. In den Folgejahren stand er verschie­denen Konzern­bereichen von Swisscom vor. Zudem vertritt der ETH-Ingenieur und studierte Betriebs­wirtschafter den Konzern in den Leitungs­organen verschiedener Organi­sationen (u. a. asut, IMD, Swiss Innovation Park und digital­switzerland) und ist unter anderem Verwal­tungs­­rat der Swiss American Chamber of Commerce und Vorstands­mitglied von Glasfasernetz Schweiz.

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«Das Beste in der vernetzten Welt – immer und überall» lautet die Vision von Swisscom, dem führenden Tele­­kommuni­kations- und einem der führenden IT-Unternehmen der Schweiz mit Sitz in Ittigen BE. Als Anbieter von Mobilfunk, Festnetz, Internet, Digital-TV und verschiedenen IT-Dienstleistungen steht Swisscom wie kaum ein anderes Unternehmen für den digitalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft. Damit ihre Geschäfts- und Privatkunden in der Schweiz auch in Zukunft  unein­geschränkt kommunizieren können, investiert Swisscom fortlaufend in eine zuverlässige und leistungs­starke Infrastruktur – 2016 betrugen die Investitionen 2,4 Milliarden Franken – und entwickelt Lösungen, um Daten sicher auszuwerten und zu übertragen. Mit über 20’000 Mitarbei­tenden erzielte Swisscom in den ersten drei Quartalen 2017 einen Umsatz von 5,7 Milliarden Franken und einen EBITDA von 2,3 Milliarden Franken. Die Namenaktien des Unternehmens sind an der SIX Swiss Exchange kotiert.

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