Priska und Christoph Jansen Jansen
Text: Redaktion ceo Magazin/Bilder: Marc Wetli

«Seite an Seite über mehrere Generationen»

Beim Ostschweizer Stahlrohr- und Profilhersteller Jansen leitet nicht nur die Familie den Konzern in der dritten Generation. Auch bei vielen Mitarbeitern waren die Grossväter bereits im Familien­betrieb tätig. Von der starken Solidarität profitieren sowohl die Angestellten als auch das Unter­nehmen. Besonders ausbezahlt hat sich dies in den turbulenten Jahren seit der Finanzkrise, erklären Priska und Christoph Jansen.

«Wir haben Angestellte, die seit drei Genera­tionen im Unter­nehmen tätig sind.»

Stahlrohr ist nicht gleich Stahlrohr. Das Produktions­verfahren, die Festigkeit, die exakte Verarbeitung oder ein geringes Gewicht machen aus einem austausch­baren Gut einen Präzisions­artikel, für den ein Kunde bereit ist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Dies gilt zumindest bei der Firma Jansen aus Oberriet, einem weltweit führenden Hersteller von Stahlrohren und Stahlprofilen für die Baubranche und die Automobil­industrie. «Wir verkaufen leistungs­fähige Gesamt­lösungen. Die Innovationen finden dabei in den Produkten, den Anwendungen oder in den Verfahrens­techniken statt», erklärt Co-Konzernleiter Christoph Jansen. Eine entscheidende Rolle bei der Produkt­optimierung kommt den Mitarbeitern zu, die pro Jahr bis zu 1000 Verbesserungsvorschläge einbringen. «Innovationen können zum Teil auch heraus­fordernde Veränderungen nach sich ziehen. Da bei Jansen aber keine Angstkultur herrscht, scheuen sich Mitarbeiter nicht, innovativ mitzudenken», ergänzt er.

Ein Grund, weshalb die Mitarbeiter an ihren Arbeitgeber glauben und ihm vertrauen ist, dass Jansen auch in der dritten Generation nach wie vor fest in Familienhand ist. «Wir haben Angestellte, die ebenfalls seit drei Generationen im Unter­nehmen tätig sind», weiss Priska Jansen, Co-Konzernleiterin und zusammen mit Cousin Christoph sowie den Familien Miteigentümerin des Unter­nehmens. Die Mitarbeiter schätzen den familiären und unkomplizierten Umgang im Betrieb. Der Konzern auf der anderen Seite profitiert von der hohen Loyalität der Angestellten. «Als vor ein paar Jahren nachts der Glühofen brannte, waren gut 200 Mitarbeitende vor Ort, um zu helfen, noch bevor die Feuerwehr da war», erinnert sich die Firmenchefin. Dadurch konnte die Produktion bereits am gleichen Morgen wieder aufgenommen werden.

«Da wir von keinem fremden Investor abhängig sind, können wir einem Projekt, an das wir glauben, auch eine etwas längere Entwicklungs­zeit zuge­stehen.»

Starkes Fundament Familie

Die starke Solidarität zeigte sich auch in den turbulenten Jahren seit der Finanzkrise. So wurde die Erhöhung der Arbeitszeit auf 42 Stunden nach der Aufhebung der Euro-Untergrenze von den Angestellten nicht nur mitgetragen. «Viele Mitarbeitende haben zusätzliche Hilfe angeboten, um unseren Betrieb zu unterstützen», sagt Priska Jansen. Da sie wussten, dass die Firma alles versuchen wird, um einen Personal­abbau zu vermeiden, konnten sie sich auch in schwierigen Zeiten in Ruhe auf ihre Arbeit konzentrieren. «Auch wir müssen Gewinn erwirtschaften. Doch der Mensch hat in einem Familienbetrieb einen hohen Stellenwert», sagt Priska Jansen.

Eine Erklärung dafür ist, dass bei Familien­unternehmen wie Jansen nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung im Vordergrund steht. «Da wir von keinem fremden Investor abhängig sind, können wir einem Projekt, an das wir glauben, auch eine etwas längere Entwicklungszeit zugestehen», begründet Christoph Jansen. Zudem kann das Unter­nehmen antizyklisch investieren. Ein Familien­unternehmen sei daher für die Innovation­fähigkeit eher förderlich. «Wenn wir uns für einen Weg entschieden haben, dann können wir diesen auch langfristig weiter gehen», sagt er. Da Jansen keine Interessensgruppen an Bord hat, «die nur mit dem Geld und nicht mit dem Herzen dabei sind», wie er sagt, falle es einfacher, die Eigentümer von einem Entscheid zu überzeugen.

Weniger Formalismus gefordert

Überzeugungsarbeit ist dagegen bei den Kunden gefragt. Denn Innovationen und die Vorteile, die sich daraus ergeben, sind bei einem Produkt wie Stahlrohren und Stahlprofilen nicht sofort ersichtlich. Noch schwieriger wird es angesichts der deutlich günstigeren Preise im Ausland. «Wir müssen unseren Kunden klar machen, dass wir nicht einfach teurer, sondern auch besser sind als unsere Konkurrenten», so Christoph Jansen. Dabei garantieren die Qualität und Funktionalität sowie die umfassenden Service­leistungen einen echten Mehrwert. Entscheidend ist, dass die Kunden nicht automatisch auf Schweizer Firmen verzichten, weil sie auf dem Papier ohnehin zu teuer erscheinen.

Damit die Kosten in Zukunft nicht noch mehr in die Höhe schnellen, wünscht sich Priska Jansen, dass der Formalismus in der Schweiz nicht weiter zunehme: «Wir müssen heute viel Bürokratie erledigen, die nicht sein müsste.» Die Schweiz tendiere derzeit dazu, immer mehr Regeln vorzugeben. Sorgen um die Entwicklung in der Automobil- und Bauindustrie macht sich Priska Jansen dagegen keine. In beiden Branchen gebe es noch viel Potenzial, wie beispielsweise in der Gewichtsreduktion sprich hinsichtlich dem Thema Leichtbau. «Und dazu braucht es unsere Produkte», so Priska Jansen.

Priska Jansen

Priska Jansen (*1974) ist seit 2003 Mitglied der Konzern­leitung und seit 2006 im Verwaltungs­rat der Jansen Gruppe. Die Finanz­fach­frau ist in der Gruppe für den Bereich Services verant­wortlich, in dem unter anderem das Personal­wesen, die Kommuni­kation und die Finanzen zusammen­gefasst sind. Priska Jansen ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und wohnt in Oberriet.

Christoph Jansen

Christoph Jansen (*1972) ist seit 2004 Mitglied der Konzern­leitung und seit 2006 Verwaltung­srat der Jansen Gruppe. Dem Doktor in Wirtschafts­informatik an der Universität St. Gallen sind die Division «Steel Tubes» sowie IT- und Qualitäts­abteilungen unter­stellt. Christoph Jansen ist verheiratet und wohnt in Oberriet.

Jansen

Das 1923 gegründete Unter­nehmen ent­wickelt, fertigt und vertreibt geschweisste und gezogene Präzisions­stahl­rohre haupt­sächlich für die Automobil- und Möbel­industrie und Stahl­profil­systeme sowie Kunst­stoff­produkte für die Bau­branche und diverse Industrie­anwen­dungen. Seit 1978 vertreibt Jansen Aluminium- und Holz-Metall-Profil­systeme der Firma Schüco Inter­national KG aus Deutsch­land. Zusätzlich ist die Gruppe über welt­weite Vertriebs­partner inter­national präsent. Das Unter­nehmen, das mit seinen Produktions­hallen und dem Firmen­sitz die Ort­schaft Oberriet prägt, beschäftigt insgesamt rund 950 Mitarbeiter und erwirt­schaftete 2015 einen Umsatz von 249 Millionen Franken. Die Jansen Gruppe ist zu 100 Prozent in Familien­besitz.

jansen.com