Auf der Hand steckt, wie ein Fingerhut aus dem Nähkasten, ein winziger Scanner. Im Kühlraum für Frischprodukte nimmt ein Mitarbeiter von Farmy geschickt die bestellten Waren aus den rundherum angeordneten Gestellen und legt sie in braune Papiertüten, die in Kisten langsam auf dem Förderband vorbeiziehen. Zwei Kilo Äpfel und ein Bund Rüebli, ein Beutel Rosenkohl und drei Randen – Zeitpunkt, Menge und Herkunft sind mit dem Finger-Scanner bereits erfasst.
Und schon ist die Kiste verschwunden – ab in den nächsten Raum, wo vielleicht noch Milch und Fleisch hinzukommen. Bis alles beisammen ist, was von den Kunden am Vortag bestellt wurde. «Heute Abend wird hier wieder alles leer sein», sagt Roman Hartmann mit ein wenig Stolz. Nachts, kurz nach Mitternacht, gehen die Bestellungen zu den Lieferanten raus. Am Vormittag, spätestens um 10.30 Uhr, ist die Ware in einem der beiden Logistikzentren in Zürich oder Lausanne eingetroffen und wird für die Auslieferung an die Konsumenten vorbereitet.
Königsdisziplin des E-Commerce
Geschwindigkeit und eine zuverlässige Logistik sind im Online-Handel mit Lebensmitteln, die rasch an Qualität verlieren können, das A und O. «Es ist die Königsdisziplin des E-Commerce», ist Tobias Schubert überzeugt. Vor vier Jahren haben er und Roman Hartmann, die sich von ihrer gemeinsamen Tätigkeit bei einem grossen Handelskonzern kennen, den Online-Markt für transparenten Wocheneinkauf, Farmy.ch, gegründet. Zuvor hatten sie genaue Analysen über das Potenzial in den einzelnen europäischen Märkten vorgenommen. Die Schweiz, wo der Online-Anteil am Lebensmittelhandel erst bescheidene 2 Prozent beträgt, bot sich als Testmarkt an.
Je nach Saison finden sich unterdessen zwischen 4’000 und 7’000 Produkte, der Grossteil davon Ware aus der Schweiz, in den virtuellen Regalen des Unternehmens. In einem kleinen Studio wird die Ware ins rechte Licht gerückt. In Produzentenprofilen können sich die Kunden mit den Geschichten zu Herkunft und Herstellern inspirieren und animieren lassen. «Mit virtuellen Besuchen beim Bauern schaffen wir Nähe und Transparenz», sagt Tobias Schubert. Nicht jeder schaffe es, frühmorgens auf den Wochenmarkt zu gehen. «Bauernhöfe liegen für die meisten nicht um die Ecke, und das Sortiment der Hofläden ist begrenzt.»
«Mit virtuellen Besuchen beim Bauern schaffen wir Nähe und Transparenz.»
Knapp 600 verschiedene Kleinproduzenten liefern heute an Farmy, darunter Gemüsebauern und Bäcker, Winzer und Metzger. 35 Festangestellte sind in den Büros in Zürich, Lausanne und Barcelona tätig. Dazu kommen in Spitzenzeiten bis zu 50 Angestellte, die sich um Lagerung, Verpackung und Transport der bestellten Lebensmittel kümmern. Eine Tochterfirma in Spanien programmiert Apps und Software.
Hartmann und Schubert sind überzeugt, dass die Zukunft dem digitalen Einkaufen gehört. Mit günstigen Lieferkosten und einem vorbildlichen ökologischen Fussabdruck wollen sie sich von der Konkurrenz absetzen, die in der Schweiz von mächtigen Grossverteilern dominiert wird.